Fact-Check: Chinas Belt and Road Initiative Goals and Impact
“Auf dem Weg zur globalen Hegemonie: Die „Belt and Road Initiative“ als Motor der chinesischen Wirtschaft 1. Einleitung Die wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik China gleicht einem historischen Kraftakt. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich das Land von einem agrarisch geprägten Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde gewandelt. Doch die chinesische Führung gibt sich mit dem Status der „verlängerten Werkbank der Welt“ längst nicht mehr zufrieden. Durch den staatlichen Masterplan „Made in China 2025“ strebt Peking die globale Technologieführerschaft in Schlüsselindustrien wie der Elektromobilität, der Informationstechnik und der Robotik an (Schulmaterial, o. J., M1 & M2). Um diese ambitionierte wirtschaftliche Transformation dauerhaft abzusichern, rief Staatspräsident Xi Jinping im Jahr 2013 ein Jahrhundertprojekt ins Leben: die Belt and Road Initiative (BRI), oftmals als „Neue Seidenstraße“ bezeichnet. Die vorliegende Arbeit analysiert dieses globale Megaprojekt als zentrales Instrument der chinesischen Wirtschaftsentwicklung. Dabei werden das Konzept und die Beweggründe der Initiative erläutert, multiperspektivische Bewertungen aus chinesischer, afrikanischer und europäischer Sicht vorgenommen sowie der aktuelle Zustand des Projekts im Jahr 2026 beleuchtet. 2. Die Belt and Road Initiative: Konzept und Beweggründe 2.1 Erläuterung und Struktur der BRI Die Belt and Road Initiative ist das umfangreichste transkontinentale Infrastruktur- und Investitionsprojekt der modernen Geschichte. Der Begriff der „Neuen Seidenstraße“ knüpft dabei bewusst an die historischen Handelsrouten an, um das friedliche Narrativ von kulturellem Austausch und Handel zu bedienen (Schmidt, 2019, S. 4). Physisch stützt sich das Projekt auf zwei Hauptachsen: Den landgebundenen „Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel“, der China über sechs gewaltige Landkorridore durch Zentralasien und Russland mit Europa verbindet, sowie die „Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Letztere umfasst ein Netzwerk aus modernisierten Seerouten und Tiefseehäfen, das vom Südchinesischen Meer über den Indischen Ozean bis an die afrikanische Küste und ins europäische Mittelmeer reicht (Schulmaterial, o. J., M4). Darüber hinaus beinhaltet die BRI jedoch auch weitreichende Freihandelsabkommen, den Aufbau digitaler Netzwerke und die Vergabe massiver staatlicher Kredite. 2.2 Gründe für die Umsetzung Die Motivation zur Umsetzung der BRI ist eng mit den inneren wirtschaftlichen Bedürfnissen Chinas verknüpft. Der wichtigste Treiber ist die absolute Notwendigkeit der Rohstoffsicherung. Für den Ausbau der im Masterplan 2025 geforderten Hightech-Industrien benötigt China immense Mengen an Ressourcen (wie Kobalt, Platin oder Bauxit), die im eigenen Land knapp sind (Schulmaterial, o. J., M3). Die neu gebaute Infrastruktur der Seidenstraße dient als Transportkanal, um diese durch weltweite Investitionen und „Landgrabbing“ gesicherten Rohstoffe effizient in die heimischen Fabriken zu leiten. Ein weiterer ökonomischer Grund lag zum Start der Initiative im Abbau massiver Überkapazitäten. Nach einem langanhaltenden Bauboom produzierte Chinas Schwerindustrie (vor allem im Stahl- und Zementsektor) deutlich mehr, als der eigene Binnenmarkt noch aufnehmen konnte (Bundeszentrale für politische Bildung [bpb], 2022). Durch Bauaufträge für Straßen und Staudämme im Ausland konnten chinesische Staatskonzerne diese Überschüsse gewinnbringend abbauen und gleichzeitig neue Absatzmärkte für ihre Waren erschließen. 3. Multiperspektivische Bewertung der BRI Aufgrund ihrer schieren Größe greift die BRI tief in die weltwirtschaftliche Architektur ein. Entsprechend unterschiedlich und kontrovers fällt die Bewertung der Initiative aus. 3.1 Die chinesische Perspektive: Machtausbau und Win-win-Narrativ Aus der Sicht Pekings ist die BRI ein absolutes Erfolgsprojekt. Die chinesische Regierung präsentiert das Vorhaben offiziell stets als „Win-win-Kooperation“. Das vermittelte Narrativ lautet, China stelle Kapital und bauliches Know-how zur Verfügung, um den Wohlstand in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern, wovon letztlich die gesamte Weltwirtschaft profitiere. Realpolitisch dient die BRI jedoch in erster Linie der Absicherung des chinesischen Großmachtanspruchs. Durch den Ausbau der Landrouten löst China sein strategisches „Malakka-Dilemma“ – die tiefe Abhängigkeit von Seehandelswegen, die im Konfliktfall leicht von der US-Marine blockiert werden könnten. Langfristig nutzt Peking die so geschaffenen wirtschaftlichen Verflechtungen, um politische Abhängigkeiten aufzubauen und eine neue, multipolare Weltordnung unter chinesischer Führung zu formen. 3.2 Die afrikanische Perspektive: Infrastrukturboom vs. Schuldenfalle 4. Aktueller Zustand der BRI (Stand 2026)”
Summary
Die Belt‑and‑Road‑Initiative ist seit 2013 das zentrale Infrastruktur‑ und Investitionsprogramm Chinas, das Ressourcen‑sicherung, Export von Überkapazitäten und den Ausbau geopolitischer Einflussbereiche zum Ziel hat. Sie bleibt ein wichtiges Instrument der chinesischen Wirtschaftspolitik, obwohl zahlreiche Projekte verzögert sind und die erwarteten wirtschaftlichen Effekte teilweise ausbleiben.
Sources 59 searched
- Wie China an einer alternativen Weltordnung arbeitet | tagesschau.de
Zum Bauwerk gehören auch die Belt-and-Road-Initiative; das von China vorangetriebene BRICS-Bündnis, zu deren Gründungsmitgliedern neben China Brasilien, Russland, Indien und Südafrika zählen; und die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB). Zudem gibt es die Globale Sicherheitsinitiative und als ein zentrales Element die Globale Entwicklungsinitiative (GDI).
- Does the Belt and Road Initiative strengthen climate adaptation in participating countries? Global evidence and heterogeneous effects | Humanities and Social Sciences Communications
Flint C, Zhu C (2019) The geopolitics of connectivity, cooperation, and hegemonic competition: the Belt and Road Initiative. Geoforum 99:95–101.
- A diachronic study on the image construction of the “Belt and Road Initiative” in mainstream Austrian newspapers | Humanities and Social Sciences Communications
To specifically investigate how Austrian mainstream newspapers construct the image of the BRI at different historical stages, this study divides the period from 2013 to 2023 into three stages: 2013–2016 (early stage), during which Austrian media covered the initial proposal and implementation of the BRI; 2017–2019 (mid stage), when the BRI was promoted globally and Austria signed a formal cooperation agreement with China; and 2020–2023 (recent stage), following the COVID-19 pandemic and the increasingly polarized geopolitical climate. During this time, global economic challenges have become more evident.
- The impact of the Belt and Road Initiative on foreign direct investment from China, the United States, and major investor countries - ScienceDirect
They argue that the results might reflect the significance of the host country’s willingness to participate in the BRI. Shao (2020) analyze 1139 outward FDI transactions by Chinese firms across 84 host countries from 2005 to 2017, finding evidence of the BRI’s FDI-promotion effects, which are stronger for low-risk countries than for high-risk countries.
- Geopolitical risks and resilience strategies in driving investment in clean energy infrastructure along the Belt and Road Initiative - ScienceDirect
This study examines the factors of clean energy infrastructure investments across Belt and Road Initiative countries from 2000 to 2023 with a focus on the impact of geopolitical risk, resilience strategies and other control variables.
- Belt and Road Initiative - Wikipedia
The Belt and Road Initiative (BRI or B&R), also known as the One Belt One Road (Chinese: 一带一路; pinyin: Yīdài Yīlù) and sometimes called the New Silk Road, is a global infrastructure and economic development strategy of the government of China. The initiative was launched by Chinese ...
- List of projects of the Belt and Road Initiative - Wikipedia
Ethiopia's Eastern Industrial Zone, in the town of Dukem, is a manufacturing hub outside Addis Ababa that was built by China through the China-Africa Development Fund and occupied by factories of Chinese manufacturers. According to Chinese media and the vice director of the industrial zone, there were 83 companies resident within the zone, of which 56 had started production.
- China's Belt and Road Is Full Of Holes | CSIS
Five years since it was announced, China’s massive Belt and Road Initiative (BRI) has yet to materialize on the ground as promised. According to Chinese officials, the BRI includes six economic corridors that will carry goods, people, and data across the Eurasian supercontinent.
- The Belt and Road - A Mission to Benefit Two-Thirds of the World - CIRSD
When Chinese President Xi Jinping visited Central and Southeast Asia in Autumn 2013, he introduced the idea of jointly building the Silk Road Economic Belt and the twenty-first-century Maritime Silk Road. These later came to be called the ‘Belt and Road’ initiative, and soon received close attention from countries around the world.